Jesu Stammbaum
Der Gottessohn ist Mensch geworden – das ist das Geheimnis der Weihnacht: Mensch geworden in Jesus von Nazareth, der wie jeder Mensch eine Herkunft hat, sich also auf Vorfahren zurückverfolgen lässt. Verzeichnisse solcher Abstammungsverhältnisse nennt man Stammbäume oder mit dem Fachbegriff Genealogien. Stammbäume sind in alter Zeit und im Orient immens wichtig: Sie zeigen, wo man herkommt, wer man ist und welche Bedeutung man hat.
Stammbäume Jesu sind in den Evangelien nach Matthäus und Lukas überliefert, sie zeigen Jesu Herkunft aus dem Volk Israels und seine Abstammung von König David. In den Stammbäumen zeigt sich die Heilsbedeutung des Gottessohnes schon vor seinem öffentlichen Auftreten. Jesus ist also kein vom Himmel herabgestiegener Halbgott, sondern ein Mensch. Gott wird Mensch, und noch dazu in einem Stall! Der König aller Könige kommt – anstatt in einem Palast in Rom oder Athen – in einem gewöhnlichen Stall in einem winzigen Dörfchen am Rand der damals bekannten Zivilisation zur Welt!
Die Wurzel Jesse
Mit Wurzel Jesse ist die mittelalterliche Darstellung der Heilsgeschichte Gottes gemeint: Aus Jesse (lateinisch für Isai), dem Vater Davids, wachsen als Äste und Zweige die Könige Israels und Judas. Am Ende stehen häufig die Familie Marias, der Mutter Jesu, und sie, Maria selbst, mit dem Jesuskind. Manchmal endet ein Zweig auch mit Josef, der ebenfalls ein Nachkomme Davids ist (Mt 1,20). Im Hintergrund dieser Darstellungsart steht ein Wort aus dem Propheten Jesaja: „Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen“ (Jes 11,1). Der Prophet beschreibt hier und in den folgenden Versen den zukünftigen Messias – Verheißung, die sich in Jesus Christus erfüllen.
Ein Ros aus Jesse
Die ersten Worte des Adventsliedes: „Es ist ein Ros entsprungen“ (Neuapostolisches Gesangbuch Nr. 11) stellt die Leser- und Zuhörerschaft zunächst vor ein Rätsel: Ein Ros, also das Reis aus dem Wort des Propheten Jesaja, bringt ein „Blümlein“ hervor, „mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht“ (so die mittelalterliche Vorstellung). Das Rätsel wird aufgelöst in der zweiten Strophe: Das Reis, das Röslein, ist Maria, des Herren Magd, das Blümlein Jesus Christus, der Gottessohn. So fasst das mittelalterliche Adventslied das Geschehen um die Geburt Jesu in dichterische Worte, zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.
Das Bibelwort zum Gottesdienst am Sonntag, 22. Dezember 2024, dem vierten Advent, stammt ebenfalls aus dem Jesajabuch: „Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es sprosst, lasse ich’s euch hören“ (Jes 42,9) und bekräftigt die Zuverlässigkeit der Verheißungen Gottes.
1. Advent - Tochter Zion, freue dich!
2. Advent - Maria wartet auf die Erfüllung der Verheißung
3. Advent - Jesus, das Licht der Welt
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