Gerade im Advent, wenn Kerzen an Adventskränzen oder andere Lichtquellen leuchten, kommt eine besondere Stimmung zum Tragen: Die Wärme und Helligkeit der Kerzen übertragen sich auf die Menschen. „In den Herzen wird’s warm“ – so möchte man mit Worten eines populären Weihnachtsliedes („Leise rieselt der Schnee“) ausrufen. In unserer heutigen, westlichen Welt ist Licht keine Mangelware, überall gibt es elektrisches Licht und LED-Leuchten sind weit verbreitet. Anders war dies in alter Zeit, lediglich einige verrußte Kerzen oder funzelige Fackeln ihr spärliches Licht leuchten lassen konnten – stets in der Gefahr, auszugehen und den Menschen in der Dunkelheit zurückzulassen.
Licht wird verbunden mit göttlichen Verheißungen und Gnadengaben
So kann man sich ausmalen, wie immens wichtig Licht für einen Menschen aus alttestamentlicher Zeit war. Die Propheten des Alten Testaments verbinden mit Licht göttliche Verheißungen und Gnadengaben, so wichtig erscheint ihnen das Wirken Gottes: lebenswichtig wie das Licht einer Kerze oder einer Öllampe. Ohne Licht keine Orientierung in der Finsternis! Auch Blinde sind orientierungslos, wenn sie niemanden haben, der sie führt.
Ein Prophetenwort aus dem Jesajabuch spricht die als Frau gesehene Gottesstadt Jerusalem an – das ist an der weiblichen Form des hebräischen Wortlautes zu erkennen – und fordert sie auf, „licht zu werden“, also zu leuchten. Der Prophet sagt: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ (Jes 60,1) Der Prophet sieht also eine heilvolle Zukunft für Jerusalem und das Volk Gottes. Und nicht nur das: Auch die anderen Völker, aus Sicht der Juden damals „Heiden“, werden zu Gott kommen: „Die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht“ (Jes 60,3).
Die Offenbarung des Johannes wirft einen Blick in die Zukunft
Die Prophezeiung, dass Völker zum Licht Gottes, zu Jesus Christus, kommen, wird schon zur Zeit der Geburt Jesu erfüllt: Die Weisen aus dem Morgenland sind zwar keine Könige, aber zumindest Heiden, die Jesus Christus als König der Juden erkannt haben und ihm königliche Geschenke darbringen (Mt 2,1-12). Später ist es besonders Apostel Paulus, der auf seinen Reisen etliche Heiden für den Glauben gewinnen und zu Jesus Christus bekehrt kann. Die Offenbarung des Johannes wirft einen Blick in die Zukunft: Das neue Jerusalem wird weithin leuchten, denn die Gottesstadt wird „herniederkommen aus dem Himmel von Gott“, sie hat die Herrlichkeit Gottes, sie leuchtet wie Jaspis und Kristall. In der Stadt braucht man keine Sonne, keinen Mond mehr, denn die Herrlichkeit Gottes selbst erleuchtet sie. Die Völker, also auch die Heiden, werden wandeln im Licht des neuen Jerusalems und zu Gott kommen (Offb 21,1-27).
Der Gottesdienst am dritten Advent, Sonntag, 15. Dezember 2024, steht unter dem Wort aus Matthäus 9,27. Jesus, das Licht der Welt, schenkt zwei Blinden das Licht, indem er sie sehend macht – ihr Glaube an ihn hat ihnen geholfen! Ihnen ist „ein Licht ausgegangen“, sie haben erkannt, mit wem sie es zu tun haben: mit dem Davidssohn und Herrn, und verkünden dies – verbotenerweise – „im ganzen Lande.“
Bereits erschienen:
1. Advent - Tochter Zion, freue dich!
2. Advent - Maria wartet auf die Erfüllung der Verheißung
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