Licht in einer Zeit der Finsternis
Der Bibeltext Jesaja 9, 1–5 entstammt einer Epoche politischer und militärischer Bedrohungen: Die Assyrer, ein kriegerisches Volk aus dem Zweistromland, bedrohen Israel und dessen Nachbarstaaten. Deportationen, also Versklavung und Entführung der Bevölkerung, Tod und Zerstörung zeichnen sich ab; Todesmächte greifen nach dem Volk in Israel und Juda. Die Worte des Propheten Jesaja treffen die Hörer wie Donnerschläge: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell“ (Jes 9, 5) - nicht nach und nach wird es zaghaft hell, sondern ganz plötzlich. Eine klassische Heilszusage Gottes durch den Propheten.
Licht als Symbol des göttlichen Handelns
Licht bezeichnet nicht nur Helligkeit, sondern Gottes Rettungshandeln. Licht steht für Ordnung statt Chaos (1. Mo 1), Wahrheit statt Verblendung, Leben statt Tod. Jesaja greift damit ein Grundmotiv der Hebräischen Bibel auf: Licht ist etwa nicht nur Naturereignis, sondern Erscheinen Gottes! Im Licht ist Gott gegenwärtig, im Licht kommt Gott zu den Menschen.
Die Geburt des Kindes als Lichtgestalt
Im gleichen Kapitel des Jesajabuches stellt der Prophet eine königliche Lichtgestalt vor: den neugeborenen König aus dem Hause Davids, vielleicht hat der Prophet schon die Thronbesteigung des jungen Königs vor Augen. Dieser künftige König ist: „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ – allesamt Thronnamen, wie wir sie aus Krönungsurkunden kennen (Jes 9, 5). Möglicherweise meinte Jesaja zu seiner Zeit den Prinzen und späteren König Hiskia aus dem Königshaus Davids oder er blickt bereits auf den bedeutenden König Josia voraus - wir wissen es nicht.
Licht im Neuen Testament
Was wir aber wissen, ist, dass das Neue Testament in dieser Lichtgestalt des kommenden Königs den Gottessohn Jesus Christus sieht: Das Matthäusevangelium beispielsweise zitiert ausdrücklich diese Prophetenworte und bezieht das „Licht“ auf den Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa (Mt 4, 16). Der Evangelist Johannes sieht in Christus „das Licht der Welt“, das mit seinem Aufscheinen die Finsternis durchbricht (Joh 8, 12).
Die Verse aus dem Jesajabuch laden uns ein, den Advent als das Aufscheinen des Lichts im Dunkeln zu erleben. Dieses Licht wird in Jesus Christus erfahrbar und sichtbar, es schenkt Hoffnung auf Frieden und Heil.
Der Gottesdienst zum 2. Advent am Sonntag, 7. Dezember 2025, steht unter dem Wort aus Johannes 3, 19–21, wo ebenfalls vom Licht in Jesus Christus die Rede ist.
Bisher in unserer Reihe erschienen:
1. Advent: Warten auf den Friedefürsten Jesus Christus
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