Das Gespräch wurde von Friederike Gottschalk moderiert. Die Moderatorin berichtete, dass im Vorfeld des Jugendtages die Jugendlichen gebeten worden seien, sich mit dem Thema Medien zu beschäftigen und ihre Fragen einzureichen. Einige der am häufigsten genannten Fragen würden jetzt an Professor Spitzer und den Bezirksapostel gestellt.
Zu Beginn wurde der Bezirksapostel gefragt, was ihn am Vortrag von Professor Spitzer besonders gefallen habe. Er antwortete, dass ihn die Ausführungen zum Thema Religion besonders beeindruckt hätten. Dass Religion das Leben verlängern könne und dass Religion für die Gemeinschaft eine ganz große Bedeutung habe, sei einem nicht immer so bewusst, merkte der Bezirksapostel an.
Auf die Frage, wie die Neuapostolische Kirche zu digitalen und sozialen Medien stehe, erklärte der Bezirksapostel, dass die digitalen und sozialen Medien aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken seien. Wenn sie positiv und sinnvoll genutzt würden, wenn ein gutes und respektvolles Miteinander die Grundlage sei, gebe es nichts dagegen zu sagen. Die digitalen und sozialen Medien sollten nur den richtigen Platz im Leben haben und nicht lebensbestimmend sein.
Um das Selbstbild in den digitalen Medien ging es im nächsten Diskussionspunkt. Professor Spitzer merkte an, dass viele Jugendliche durch die Mediennutzung depressiver und unzufriedener würden. Die sozialen Medien beförderten, dass sich vor allem Mädchen mehr vergleichen würden. Auch gebe es oftmals gefährliche Wettbewerbe um das außergewöhnlichste Selfie. Ob es einen Zusammenhang zwischen Essstörungen und sozialen Medien gebe, fragte die Moderatorin, was der Professor bejahte. Essstörungen seien die tödlichste psychiatrische Krankheit. Zehn Prozent der betroffenen jungen Frauen würden daran sterben. Deshalb müssten Essstörungen sehr ernst genommen werden und schnellstmöglich behandelt werden.
Dann ging es um Fake News, also bewusste Falschmeldungen, auf Plattformen wie Twitter. Manfred Spitzer merkte an, dass die Verbreitung von Falschmeldungen niemals vermieden werden könnten, solange es Twitter und neugierige Menschen gebe.
„Woher weiß ich, was in Sachen Medienkonsum normal ist - im Sinne von gesund?“ war die nächste Frage. „Das ist ganz leicht,“ antwortete Manfred Spitzer: „Normal ist alles, worunter man selbst nicht leidet und worunter die Umwelt auch nicht leidet. Aber sobald man selber darunter leidet, weil man so viel am Computer spielt, dass man keine Freunde mehr hat, dass man in der Schule schlechter wird (…), dann ist es schädlich für einen und auch für die Gemeinschaft der Freunde.“
Von vielen Jugendlichen war die Frage gestellt worden, wo Mediensucht eigentlich beginne und was mögliche Warnsignale seien. Der Professor nannte einige Kriterien von Mediensucht: Man könne es nicht mehr sein lassen. Es gehe einem schlecht, wenn man versuche, es zu lassen, oder man werde aggressiv. In dem Fall müsse man dann vor allem Abstinenz betreiben, um die Sucht zu behandeln. Eine unbehandelte Mediensucht könne langfristig zu schweren gesundheitlichen Folgen führen. Deshalb sein einfacher Rat an alle: „Weniger ist mehr!“
Anschließend wurde das Thema Cybermobbing behandelt, bei dem sowohl der Professor als auch der Bezirksapostel dazu rieten, sich Hilfe zu holen und sich Vertrauenspersonen zu öffnen. Betroffene sollten unbedingt ernst genommen werden. Auch über Themen wie Prävention, Bildung in Corona-Zeiten und die Partnersuche in digitalen Medien wurde diskutiert.
Dann gaben der Professor und der Bezirksapostel den Jugendlichen gute Ratschläge mit auf den Weg. Der Professor wünschte sich, dass sich die Jugendlichen weiter mit der Thematik befassen und für ihr Leben umsetzen. Der Bezirksapostel sprach sich dafür aus, den Vortrag ernst zu nehmen und darüber nachzudenken. Er freute sich darüber, dass das Thema Gemeinschaft nicht nur aus Sicht der Religion und des Glaubens von hoher Relevanz sei, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht: „Da kommen wir aus beiden Seiten zusammen, und deshalb werbe ich dafür, dass man - wo immer möglich - Gemeinschaft sucht und auch in der Gemeinschaft Halt findet und positive Impulse mitnimmt.“
Abschließend betonte Professor Spitzer, dass wenn es Musik und Religion nicht gäbe, man aus neurowissenschaftlicher Sicht beides „ganz schnell erfinden“ müsse. Zum Glück gebe es aber beides schon. Es sei wichtig, Gedanken der Religion mit dem Gedanken der Liebe zu verknüpfen: „Wir sehen heute, was passiert, wenn man diese Gedanken nicht verknüpft. Dann wird das World Trade Center bombardiert, und viele andere Dinge passieren.“ Er sei froh, dass bereits vor 2000 Jahren Jesus den Gedanken der Religion mit dem Gedanken der Liebe verknüpft habe - das könne die Wissenschaft ganz klar so sagen.
Am Ende der Gesprächsrunde bedankte sich der Bezirksapostel für den interessanten Vortrag. Nach dem Schlussgebet und einem abschließenden musikalischen Vortrag endete der Süddeutsche Jugendtag 2022.