Während seines Vortrags erklärte Manfred Spitzer die Zusammenhänge zwischen der Nutzung digitaler Medien und den damit verbundenen Risiken für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Der 64-Jährige ist Professor für Psychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Er beschäftigt sich mit den Disziplinen Psychiatrie, Psychologie und Neurobiologie. Zudem ist er Herausgeber der Fachzeitschrift „Nervenheilkunde“, in der er regelmäßig eigene Arbeiten veröffentlicht. Durch seine Vorträge und Buchveröffentlichungen ist er einem breiten Publikum über Fachkreise hinaus bekannt.
Zu Beginn seines Vortrags zeigte sich Spitzer erfreut über die Möglichkeit, so vielen jungen Menschen zeigen zu können, wie ihr Gehirn funktioniert. Anhand einiger Beispielbilder erklärte er die Funktionsweise des Gehirns mit dessen 100 Milliarden Nervenzellen und ihren Verbindungen. Der Professor berichtete auch von seinen Anfängen in der Hirnforschung vor 45 Jahren und der Erkenntnisentwicklung in der Hirnforschung im letzten halben Jahrhundert.
Dann erfuhren die Zuhörer, wie Synapsen funktionieren (Stichwort „Neuroplastizität“ = Lernen) und dass diese trainiert werden müssten. Anhand weiterer Beispielbilder zeigte er, wie sich Gehirne im jungen Alter selbst regenerieren können und in welchen Fällen und ab welchem Alter keine Verbesserung der Gehirnaktivitäten mehr möglich sei. Manfred Spitzer erläuterte, warum das Gehirn in sehr jungen Jahren am besten lerne und welche Schlüsse Gesellschaft und Politik im Bildungsbereich daraus ziehen sollten. Er erklärte, wie Lernprozesse ablaufen können und dass Lernen auch mit im Alter von 30 Jahren noch möglich sei, wenn bereits in jungen Jahren die entsprechenden Grundlagen gelegt worden seien.
Anschließend berichtete Spitzer, dass Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß weltweit täglich mobile Endgeräte nutzten: der Durchschnittsamerikaner nutze sein Handy etwa zehn Stunden am Tag, der Durchschnittsdeutsche sieben bis acht Stunden am Tag. Er erläuterte, welche Folgen die lange Nutzungsdauer auf das Gehirn habe und was man machen könne, damit es einem auch im Alter gut gehe. Er sprach über nachgewiesene körperliche Schäden wie Haltungsschäden, Bluthochdruck, Diabetes oder Schlafstörungen sowie Gefahren wie Stress oder Risikoverhalten. Das Zustandekommen und die Auswirkungen von Kurzsichtigkeit erklärte er ausführlich – in Südkorea beispielsweise seien 95 Prozent der unter 20-Jährigen kurzsichtig, in Europa bereits etwa 50 Prozent. Während der Corona-Pandemie habe die Nutzung von Smartphones und die daraus resultierende Kurzsichtigkeit noch mehr zugenommen, bedauerte der Professor. Einer Prognose zufolge werde im Jahr 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein. Dies sei ein Problem, denn Kurzsichtigkeit sei der Hauptrisikofaktor für Erblindung. Daher appellierte Spitzer, die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones zu überdenken, denn die Dosis und die Anwendungszeit mache das Gift. Kinder und Jugendliche müssten geschützt werden, so seine Forderung.
Als Psychiater rede er allerdings nicht nur über den Körper, sondern viel lieber über die Psyche. Damit kam er zu seinen Ausführungen über das Suchtverhalten von Jugendlichen bei der Smartphone-Nutzung und sprach über Symptome, Fallzahlen und Studien. Er berichtete, dass das Smartphone als Babysitter für Säuglinge verwendet werde, was schwere Folgen wie Autismus ab dem Alter von drei Jahren zur Folge haben könne. Die Vorstellung, dass so junge Kinder etwas von einem Smartphone lernen könnten, sei falsch. Die Nutzung führe zu Schäden in der Gehirnentwicklung. Nach der Erklärung, warum ein Handy am Essenstisch nichts zu suchen habe und warum Kommunikation beim Essen so wichtig sei, folgten Erläuterungen darüber, wie Handys Schüler ablenkten und ihre Leistungen minderten. In der Folge macht der Professor klar, warum er sich gegen die Digitalisierung an Schulen ausspricht und wie man „Digitaler Demenz“ vorbeugen könne. Die in der Kindheit erreichte Bildung reduziere das Risiko von Demenz im Alter.
Fakten über Sinn und Nutzen von Musik und Religion auf die Gesellschaft und das Thema Gemeinschaft und Einsamkeit bildeten den Abschluss des Vortrags. Sein Rat an alle Zuhörer: „Machen Sie etwas aus sich, dann wird auch etwas aus Ihnen!“.
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