Den Jubiläumsgottesdienst führte am Sonntag, 14. Juni 2020, Apostel Jürgen Loy durch, der den Apostelbereich Stuttgart leitet. Infolge der aktuell geltenden behördlichen Schutzmaßnahmen wegen der COVID-19-Pandemie, zu denen die Abstandsregeln gehören, konnte der Jubiläumsgottesdienst nur mit einer kleinen Gemeinde gefeiert werden.
Das Bibelwort, das der Apostel der Predigt zugrunde legte, ist aus dem Neuen Testament, Hebräer 10,23.24: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken“. Um einen Predigtbeitrag wurde Bezirksevangelist Achim Sippel gebeten, der über einige Zeit auch Vorsteher in der Gemeinde Pliezhausen gewesen war. Mit Vorträgen auf Bratsche und Orgel wurde der Gottesdienst musikalisch umrahmt. Heiliges Abendmahl wurde nicht gefeiert (gemäß der generellen Regelung für die Gottesdienste der Gebietskirche Süddeutschland sind Abendmahlsfeiern nicht vor dem 21. Juni gestattet).
Der Apostel widmete den Glaubensgeschwistern zum Gemeindejubiläum den 100. Psalm: „Jauchzet dem HERRN, alle Welt! Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen! Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.“
Die Gemeinde Pliezhausen hat rund 460 Mitglieder. Ihr im Oktober 2016 geweihtes neues Gotteshaus – ein skulpturaler Baukörper mit winkelförmigem Grundriss – befindet sich in der Bachstraße 40; es bekam 2017 die Hugo-Häring-Auszeichnung („kleiner Hugo“) verliehen.
Einblick in die Gemeinde- und Gebäudechronik
Die Anfänge der Gemeinde Pliezhausen datieren zu Beginn der 1920er-Jahre; die Gemeindegründung erfolgte zum 1. Januar 1920.
Die ersten neuapostolischen Gottesdienste am Ort fanden behelfsweise in einem ehemaligen Gasthaus statt. Als erster Gemeindevorsteher war Hirte Karl Vogel beauftragt. Bereits zwei Jahre nach der Gemeindegründung hatte die Gemeinde 38 Mitglieder, und zur Freude aller konnte nun ein kleiner Chor gegründet werden, der die Gottesdienste musikalisch umrahmte.
Die gewachsene Gemeinde fand ab dem Jahr 1925 in einem Wohnhaus eine gottesdienstliche Versammlungsstätte. Auch sie war nur vorübergehend, denn sie wurde bald zu klein. So ließ Eugen Kugel, der in der Bachstraße einen Neubau errichtete, in dessen Obergeschoss einen Kirchensaal einrichten, in dem bis zu 200 Personen Platz fanden. Der Kirchensaal wurde am 28. Februar 1926 eingeweiht.
Im Jahr 1960 ging dann der lang gehegte Wunsch für die Glaubensgeschwister in Pliezhausen in Erfüllung, als die Kirchenleitung für die Gemeinde ein eigenes Kirchengebäude errichten ließ – auf dem Platz, wo heute die neue Kirche steht. Mit viel Eigenleistung von Gemeindemitgliedern wurde der Kirchenbau errichtet; die Weihe als Gotteshaus erfolgte am 20. Januar 1961 durch Bischof Adolf Wagner. Von da an war es auch möglich, Nachbargemeinden zu Festgottesdiensten nach Pliezhausen einzuladen.
Da der „Zahn der Zeit“ das Kirchengebäude nicht verschont hatte und das Kirchengebäude den heutigen Anforderungen, beispielsweise bezüglich der Barrierefreiheit, nicht entsprach, entschied sich die Kirchenleitung für den Bau eines neuen Gotteshauses am bisherigen Standort. Den Weihegottesdienst beging die Gemeinde am 2. Oktober 2016 mit dem Bezirksapostel. Anlässlich der Kirchenweihe erfolgte die Zusammenführung der Gemeinden Rübgarten, Walddorf und Pliezhausen zur heutigen Gemeinde Pliezhausen.
Seelsorgerisch betreut wird die Gemeinde von Gemeindevorsteher Jens Sippel, den zehn priesterliche Amtsträger und neun Diakone unterstützen. Ihren kirchlichen Auftrag üben sie, wie ausnahmslos alle Amtsträger in den süddeutschen Kirchengemeinden und -bezirken, ehrenamtlich und unentgeltlich aus.
Fotos: Sascha Müller