Der Bezirksapostel führte den Gottesdienst am Sonntag, 26. April 2020, in der Kirche Karlsruhe-Mitte durch. „Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!“ Dieses Bibelwort aus Kapitel 20, Vers 26 des Johannes-Evangeliums, das von einer Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern handelt, lag der Wortverkündigung zugrunde.
Mittels Internet-Livestream über den YouTube-Kanal der Gebietskirche Süddeutschland bestand die Möglichkeit, in den Sprachen Deutsch – einschließlich der deutschen Gebärdensprache (Bild-in-Bild-Einblendung) –, Französisch, Kroatisch, Russisch und Spanisch am Videogottesdienst zu Hause teilzunehmen. Die süddeutschen Gemeindemitglieder konnten auch per Telefonübertragung teilhaben.
Die englischsprachigen Glaubensgeschwister im Bezirksapostelbereich waren eingeladen, ebenfalls über YouTube am Videogottesdienst teilzunehmen, den der höchste Geistliche der Kirche, Stammapostel Jean-Luc Schneider, an diesem Sonntag in englischer Sprache durchführte.
Grund zu Freude und Dankbarkeit
Musikalisch mitgestaltet wurde der Videogottesdienst in Karlsruhe-Mitte durch ein Streicher-Quartett und Orgelspiel.
„‘Friede sei mit euch!‘ – welch herrliche Worte rufet auch heut der Erstandne uns zu“, auf diese zweite sowie die dritte Strophe des Liedes „Freut euch, ihr Christen“ ging der Bezirksapostel zu Beginn des Videogottesdienstes ein. Der Text dieses Liedes, das die Instrumentalisten spielten, ist von Ernst Heinrich Gebhardt (1832-1899). Er handelt von der Dankbarkeit und Freude über die Erlösungstat und Auferstehung Jesu Christi und vom Vertrauen in ihn. In dieser inneren Haltung und stets mit Blick auf Jesus Christus, ermunterte der Bezirksapostel die Gemeinde, in die Zukunft zu gehen.
Er sprach auch davon, dass die Glaubenden bei allem derzeitigen Erleben im völlig veränderten Alltag, bei allen Belastungen und in allen Nöten, Schwierigkeiten und Sorgen („und niemand von uns ist ganz ohne Sorge und Last“) dennoch Freude haben könnten. „Gott sieht unsere Verhältnisse, er kennt den Kummer, er weiß um die Sorgen – schon allein aus dem Bewusstsein heraus, dass er alles in seiner hohen Hand hält, dass er helfen und immer einen Weg in die Zukunft weisen kann, können wir uns freuen.“ Freude gewinne man auch im Wissen um die Liebe des ewigen und allmächtigen Gottes zu den Menschen, und aufgrund dieser Gewissheit finde man auch in sorgenvollen Tagen Grund, Gott zu danken.
Im Blick auf das Karfreitagsgeschehen, Jesu Opfertod, und das Ostergeschehen, Jesu Auferstehung, bestehe berechtigte Hoffnung, Teilhabe am Sieg Jesu Christi über Tod und Sünde erlangen zu können – Grund zu Freude und Dankbarkeit. Infolge der hohen heilsgeschichtlichen Bedeutung dieser Geschehnisse habe er nicht einfach wieder zum Alltag übergehen können, erklärte der Bezirksapostel, und daher auch das Bibelwort als Basis für die Predigt gewählt.
Glauben und Vertrauen haben
Trost, Ermutigung und Freude habe die Begegnung des auferstandenen Christus mit seinen Jüngern am Auferstehungsmorgen bewirkt, so der Bezirksapostel beim Erläutern des Kontextes. Thomas („wie ich finde, zu Unrecht oft der Ungläubige genannte“) war nach biblischem Bericht nicht dabei, jedoch später, als der Auferstandene abermals mit seinem Frieden unter sie trat und Thomas das Christusbekenntnis abgab: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28) Jesus Christus sprach dann das bedeutende Wort: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Vers 29).
Die Haltung des Thomas sei einem ja nicht fremd; wohl jeder habe schon einmal Dinge infrage gestellt, meinte der Bezirksapostel. Es gebe Vieles, was das Vorstellungsvermögen völlig übersteige und dennoch existiere und was es zu glauben gelte. So könne niemand Gott in seiner Allgegenwart und Allmacht, der die sichtbare und unsichtbare Schöpfung erschaffen hat, erfassen. Er nannte auch verschiedene biblische Beispiele. Dass sich Mose an Gott gehalten hat, wovon die Bibel sagt: „den er nicht sah“, bezeichnete der Bezirksapostel als „Ausdruck höchsten Vertrauens“. Auch bezüglich der beiden großen Verheißungen Jesu – seiner Wiederkunft und seiner Gegenwart bis ans Ende der Welt – brauche es Glauben und Vertrauen.
Wer Glaube und Vertrauen habe, so der Bezirksapostel in seinen Ausführungen, erlebe Stärkung und Trost und es werde ihm wie damals den Jüngern Jesu Frieden geschenkt. Der tiefe Friede, den die Jünger damals aus Jesus Christus empfingen, sei mit ihnen gegangen und habe sich zum Segen ausgewirkt. Alle, die Jesus Christus glaubten und nachfolgten, könnten auch ein Segen sein.
Bischof Jürgen Gründemann aus dem Apostelbereich Ulm, der in der Kirche Karlsruhe-Mitte zugegen war, unterstrich in seinem Predigtbeitrag, dass der Friedensgruß Jesu etwas auslöste: „Das hat eine Veränderung bei den Jüngern geschaffen.“ Dies sei auch heute so. Wer im Glauben und Vertrauen den Frieden aus Jesus Christus ins Herz fasse, erlebe, dass er in die Zukunft trage.
Beispielhaft für Vertrauen auch in Situationen, in denen es einem „bald den Boden unter den Füßen wegziehen“ könne, erwähnte er David, von dem in Psalm 55 die Unterweisung zu lesen ist: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen“ (Vers 23). Der Bischof ermutigte, sich stets darauf zu verlassen: „Der Herr ist bei dir! Er hält seine schützende, bewahrende und segnende Hand über dich. Und in Verhältnissen, wenn es nicht mehr geht, ist der Herr der, der auch ein Stück des Weges trägt.“
Nach dem Gottesdienst
Für Süddeutschland sprach der Bezirksapostel nach dem Gottesdienst kurz die Überlegungen zur vorsichtigen, schrittweisen Öffnung des öffentlichen Lebens bzw. die bereits in Kraft getretenen Modifikationen der Corona-Pandemie-Verordnungen an. Sobald umfassende behördliche Vorgaben vorlägen, werde er über eine behutsame, an die Länderverordnungen angepasste Aktualisierung der kirchlichen Richtlinien informieren. „Wir werden sehr vorsichtig beginnen“, betonte er. Keinesfalls dürfe irgendeine Gefährdung in Kauf genommen werden. Auch erklärte er, dass die kirchlichen Richtlinien gemäß den kommunalen Vorgaben unterschiedlich ausfallen könnten.
An alle Gemeindemitglieder im Bezirksapostelbereich appellierte er, sich überall strikt an die behördlichen Vorgaben zu halten.
Abschließend richtete er noch einen Gruß an die Glaubensgeschwister in Kroatien, wo es vor kurzem ein Erdbeben gegeben hatte („die Gefahr ist noch nicht vorbei“).
Fotos: David Schäfer