Christen in unterschiedlichen Lebenswelten
Die Reise führte in zwei Länder am Horn von Afrika, in denen Christen ihren Glauben unter sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen leben.
Während in Äthiopien rund zwei Drittel der Bevölkerung christlichen Kirchen angehören und das Land zu den ältesten christlich geprägten Nationen Afrikas zählt, sind Christen im überwiegend muslimischen Dschibuti eine kleine Minderheit. Umso größer war die Freude der neuapostolischen Gläubigen über den Besuch.
Die Neuapostolische Kirche zählt in Äthiopien fast 1.400 Mitglieder in 13 Gemeinden. Betreut werden sie von etwa 50 Geistlichen. Die Gemeinden liegen über weite Teile des Landes verstreut. In Dschibuti besteht eine Gemeinde mit rund 150 Mitgliedern und fünf Geistlichen. Für viele neuapostolische Christen war es die erste persönliche Begegnung mit Bezirksapostel Rheinberger seit der Übernahme des Arbeitsbereichs Ostafrika. Entsprechend herzlich und dankbar wurden die gemeinsamen Gottesdienste und Begegnungen erlebt.
Gottesdienst in Dschibuti
Am Freitag reiste die Delegation nach Dschibuti. Dort feierte Bezirksapostel Rheinberger gemeinsam mit den Gläubigen einen Gottesdienst auf Grundlage des Bibelwortes aus Matthäus 5,8:
„Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“
Der Vers stammt aus den Seligpreisungen der Bergpredigt, der bekanntesten Rede Jesu. In diesem Bibelvers betont Jesus, wie wichtig Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und gute Absichten sind. Mit einem „reinen Herzen“ meint er Menschen, die nicht von Neid, Hass oder falschen Motiven geleitet werden. Sie stehen Gott besonders nahe und werden ihn erkennen oder erfahren können.
Rund 70 Gläubige nahmen am Gottesdienst teil. Im Anschluss blieb Zeit für persönliche Gespräche und Gemeinschaft.
Jugendstunde in Äthiopien
Ein weiterer Höhepunkt war die Jugendstunde am Samstag in der Hauptkirche der Neuapostolischen Kirche in Addis Abeba. Sie wurde von Apostel Volker Keck gehalten. Rund 70 Jugendliche nahmen an dem Treffen teil.
Gemeinschaft, geistliche Impulse und persönliche Begegnungen prägten den Nachmittag. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und ihren Glauben gemeinsam zu erleben. Gerade in einem Land mit großen Entfernungen und weit verstreuten Gemeinden besitzen solche Begegnungen einen besonderen Wert.
Gottesdienst in Äthiopien
Den geistlichen Abschluss der Reise bildete der Gottesdienst am Sonntag in Addis Abeba, den wiederum Bezirksapostel Rheinberger hielt. Grundlage seiner Predigt war Offenbarung 19,9.10. Dort heißt es unter anderem:
„Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind.“
Der Vers stammt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung. Das Bild eines Hochzeitsfestes wird dort verwendet, um die besonders enge Gemeinschaft zwischen Jesus Christus und den Gläubigen zu beschreiben. Der Bibelvers steht für die Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott.
Mehr als 300 Gläubige nahmen an dem Gottesdienst teil. Sie erlebten dabei Gemeinschaft über Gemeinde- und Regionsgrenzen hinweg und empfingen geistliche Impulse für ihren Glaubensweg.
Vorfreude auf den Besuch des Stammapostels
Die Gespräche und Begegnungen wurden vielerorts auch von einem Ereignis geprägt, das bereits seine Schatten vorauswirft: dem Besuch von Stammapostel Helge Mutschler im Januar 2027. Bezirksapostel Rheinberger griff die bevorstehende Reise immer wieder auf und teilte die Vorfreude der Gläubigen.
Für die neuapostolischen Christen in Dschibuti und Äthiopien wird dieser Besuch ein ganz besonderer Moment sein, denn erstmals wird ein Stammapostel in beide Länder kommen.
Bildung schafft Perspektiven
Neben den Gottesdiensten spielte auch die Bildungsarbeit eine wichtige Rolle. In Sebeta, westlich von Addis Abeba, befindet sich die Selam Hiwot School, die seit vielen Jahren von humaNAKtiv, dem Hilfswerk der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, unterstützt wird.
Die Schule wurde 2006 mit Spendengeldern des Hilfswerks eröffnet und ermöglicht Waisen, Straßenkindern und besonders schutzbedürftigen Kindern einen kostenfreien Schulbesuch. Sie ist die einzige Schule der Region, die diese Kinder kostenlos unterrichtet. In den vergangenen 20 Jahren haben dort mehr als 70.000 Kinder ihren Schulabschluss erreicht. Viele von ihnen konnten anschließend ein Hochschulstudium aufnehmen. Aktuell besuchen rund 600 Mädchen und Jungen die Schule.
Im Rahmen der Patenschaft Bildung finanziert humaNAKtiv die laufenden Betriebskosten, Lehrergehälter sowie Unterrichtsmaterialien. Darüber hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler regelmäßig Schuluniformen.
Neue Räume für Lernen
Während des Besuchs wurden zwei neue Klassenräume und eine Bibliothek offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Die Erweiterung verbessert die Lernbedingungen für die Kinder erheblich und schafft neue Bildungschancen.
Besonders wichtig ist der Neubau für den Oromifa-Sprachzweig der Schule. Bislang endete das Unterrichtsangebot dort nach der vierten Klasse. Durch die zusätzlichen Räume können künftig auch die Klassenstufen fünf und sechs angeboten werden. Viele Kinder erhalten damit die Möglichkeit, ihre Schullaufbahn an ihrer vertrauten Schule fortzusetzen.
Die Selam Hiwot School ist seit zwei Jahrzehnten ein Beispiel dafür, wie langfristige Unterstützung nachhaltige Wirkung entfalten kann. Die neuen Klassenräume und die Bibliothek schaffen die Voraussetzungen dafür, dass noch mehr Kinder Zugang zu Bildung erhalten und ihre Zukunft selbst gestalten können. Für die Schulgemeinschaft war die Einweihung deshalb ein besonderer Meilenstein und ein Tag großer Freude.
Fotos: Jochen Frank