Erster Gottesdienst in St. Gebhard
Rund 60 Gemeindemitglieder versammelten sich in den vorderen Reihen des großen Kirchenraums, der sonst mehrere hundert Besucher aufnehmen kann. Gemeindevorsteher Michael Rauser predigte erstmals in der Kirche St. Gebhard. „Die Größe der Kirche ist völlig ungewohnt“, sagte er nach dem Gottesdienst. Zugleich zeigte er sich beeindruckt von der Orgel und der würdigen Atmosphäre des Kirchenraums.
Chor und Organisten mussten sich auf die neue Umgebung und völlig andere Akustik einstellen. Auch der für das Heilige Abendmahl gedeckte Altar bot im Altarraum der katholischen Kirche ein ungewohntes Bild. So war einerseits noch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der neuen Umgebung spürbar, gleichzeitig aber auch eine große Dankbarkeit vieler Gemeindemitglieder, hier einen würdigen Rahmen für die Gottesdienste gefunden zu haben.
Für die kommenden zwei bis drei Jahre wird St. Gebhard die Interimsheimat der Konstanzer Gemeinde sein. Möglich wurde dies durch die guten ökumenischen Kontakte vor Ort. Künftig feiert die neuapostolische Gemeinde sonntags um 9:00 Uhr ihren Gottesdienst, bevor um 11:15 Uhr die katholische Gemeinde ihre Messe hält.
Eine Entscheidung für die Zukunft
Die neue Interimsheimat ist jedoch nur ein Teil der guten Nachricht: Konstanz soll auch langfristig ein neuapostolischer Kirchenstandort bleiben.
Im Juli 2026 machten sich Bezirksapostel Rheinberger und Apostel Schnaufer persönlich ein Bild von der Situation vor Ort. Im Anschluss entschied die Baukommission, dass die Gemeinde einen Neubau erhalten soll. Geplant ist ein moderner Systembau in Holzbauweise mit rund 100 Sitzplätzen. Das Investitionsvolumen liegt bei etwa 3,1 Millionen Euro. Als Nächstes stehen die weiteren Planungsschritte und die Abstimmungen mit der Stadt Konstanz an.
Ein langer Weg bis hierher
Hinter der aktuellen Lösung steht ein Entscheidungsprozess, der die Gemeinde bereits seit 2018 beschäftigt. Damals wurde deutlich, dass das bestehende Kirchengebäude umfassend saniert werden müsste. In den folgenden Jahren wurden verschiedene Möglichkeiten untersucht. Zwischenzeitlich stand sogar ein Neubau mit kombinierter Wohn- und Kirchennutzung zur Diskussion.
Letztlich erwiesen sich weder diese Variante noch eine Sanierung als sinnvoll. Die Kosten für eine umfassende Instandsetzung hätten sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegt wie ein Neubau. Gleichzeitig wäre die Gemeinde weiterhin an ein Gebäude mit alter Bausubstanz gebunden gewesen.
Als das Foyer zur Notlösung wurde
Im Frühjahr 2026 verschärfte sich die Situation zusätzlich. Bauliche Mängel an der Decke machten den Kirchensaal und die Empore unbenutzbar. Ab Ende Mai fanden die Gottesdienste deshalb im Foyer des Gebäudes statt – eine Übergangslösung, die auf Dauer keine Perspektive bot. Umso größer war die Erleichterung, als mit St. Gebhard eine passende Lösung gefunden wurde.
Für die Konstanzer beginnt damit ein neuer Abschnitt: mit einer Heimat auf Zeit, aber mit einer klaren Perspektive für die Zukunft. Einerseits erinnert die neue Umgebung die Kirchenbesucher jeden Sonntag daran, dass sich die Gemeinde in einer Übergangsphase befindet. Andererseits zeigt die Gastfreundschaft der katholischen Kirchengemeinde, wie viel möglich wird, wenn Menschen und Kirchen einander unterstützen.
Fotos: Achim Dietrich