Wie nutzt man einen ehemaligen Kirchenstandort sinnvoll?
Das Grundstück in der Bissinger Innenstadt war viele Jahre Standort einer Kirchengemeinde der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland. Seit der Zusammenlegung der beiden Kirchengemeinden in Bietigheim und Bissingen am Standort Forststraße, wurde das Kirchengebäude in der Blumenstraße nicht mehr genutzt. Der Kirchenleitung stellte sich die Frage nach einer sinnvollen Zukunft des Areals. Angesichts des wachsenden Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum fiel die Entscheidung, das Grundstück für ein neues Wohnprojekt zu nutzen.
Seit der Ankündigung im Jahr 2023 entstanden innerhalb von zwei Jahren zwölf neue Wohnungen, verteilt auf zwei moderne Wohngebäude. Die Wohnflächen reichen von 60 bis 101 Quadratmetern. Vermietet werden die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen an Menschen mit Wohnberechtigungsschein zu einer Miete, die rund 40 Prozent unter der ortsüblichen Neubaumiete liegt.
Bezahlbarer Wohnraum und gute Wohnqualität vereint
Die Herausforderung bestand darin, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ohne bei Qualität und Wohnkomfort Abstriche zu machen. Mit der HT-Projektentwickler GmbH, einer Tochtergesellschaft der Hoffnungsträger-Stiftung, wurde dafür ein Partner gefunden, der mit einem nachhaltigen Konzept überzeugte. Die modularen Systembauten wurden bereits mehrfach im Rahmen der so genannten Hoffnungshäuser realisiert – einem Konzept für bezahlbaren und gemeinschaftsorientierten Wohnraum. Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland übernahm das Bau- und Raumkonzept für ihre beiden Wohnhäuser.
Die Gebäude wurden in modularer Holzbauweise errichtet und erfüllen den Effizienzhaus-Standard 40 NH. Eine Photovoltaikanlage trägt zusätzlich zu einem ressourcenschonenden Betrieb bei. Der erzeugte Strom wird für die Wärmepumpe und den Allgemeinstrom verwendet. Die flexibel gestalteten Grundrisse ermöglichen ein vielfältiges Wohnangebot für Familien, Wohngemeinschaften oder Senioren. Auch an Barrierefreiheit wurde gedacht: Die Wohnungen im Erdgeschoss sind barrierefrei gestaltet und ermöglichen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen ein selbstbestimmtes Wohnen.
Raum für Begegnungen mit der Nachbarschaft
Doch das Projekt soll nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch Begegnung ermöglichen. Die beiden Gebäude sind zu einem Hof angeordnet, der Raum für Austausch und nachbarschaftliches Miteinander bieten kann. Die offene Fläche lädt Familien zum Verweilen ein und soll den Kontakt unter den Bewohnern fördern. Geschwungene Balkone prägen das Erscheinungsbild der Häuser und tragen dazu bei, dass die neue Wohnanlage ein lebendiger Ort der Gemeinschaft werden kann.
Mit dem Projekt wurde ein nicht mehr benötigtes Kirchengebäude durch etwas Neues ersetzt: ein Zuhause für Menschen. Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland verbindet damit nachhaltiges Bauen, verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Flächen und das Ziel, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Wo früher Gottesdienste stattfanden, ist heute ein Ort entstanden, an dem Nachbarschaft, Gemeinschaft und Alltag gelebt werden.
Fotos: Benjamin Haug