05.08.2026

Kirchengemeinde Göppingen feiert ihr 125-Jahr-Jubiläum

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In diesem Jahr feiert die neuapostolische Kirchengemeinde Göppingen (Kirchenbezirk Göppingen/Kirchheim, Apostelbereich Ulm) ihr 125-jähriges Bestehen. Viele Generationen haben mit ihrem Einsatz und ihrer Opferbereitschaft zum Aufbau und Fortbestand der Gemeinde beigetragen. Ein Blick zurück zeigt eine bewegte Geschichte.

  • Die Kirchengemeinde Göppingen feiert ihr 125-Jahr-Jubiläum.
    < Die Kirchengemeinde Göppingen feiert ihr 125-Jahr-Jubiläum. >
  • Gemeindemitglieder im Jahr 1911
    < Gemeindemitglieder im Jahr 1911 >
  • Der erste Gemeindevorsteher Georg Schuster und seine Frau
    < Der erste Gemeindevorsteher Georg Schuster und seine Frau >
  • Das Kirchengebäude in der Olgastraße wurde 1966 erbaut.
    < Das Kirchengebäude in der Olgastraße wurde 1966 erbaut. >
  • 1976 feierte die Kirchengemeinde ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst mit Bezirksapostel Karl Kühnle.
    < 1976 feierte die Kirchengemeinde ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst mit Bezirksapostel Karl Kühnle. >

Die Anfänge

Die Anfänge der neuapostolischen Kirchengemeinde Göppingen reichen bis an das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1896 kehrte Priester Georg Hofele aus Frankfurt in seine schwäbische Heimat zurück, nachdem er dort den neuapostolischen Glauben kennengelernt hatte. Zunächst gründete er 1897 in Altenstadt bei Geislingen eine Gemeinde. Vier Jahre später erhielt er den Auftrag, die neuapostolische Lehre auch in Göppingen bekannt zu machen.

Seine ersten Zuhörer fand er in der Familie Vetter. In der Wohnung von Luise Vetter und ihren Töchtern versammelte sich eine kleine Gruppe zu den ersten Gottesdiensten. Einen besonderen Meilenstein markierte der 26. Juli 1901: An diesem Tag besuchte Apostel Gustav Ruff erstmals Göppingen. Luise Vetter und mehrere ihrer Töchter empfingen dabei die Gabe des Heiligen Geistes. Damit war der Grundstein für die Gemeinde gelegt, die bis zum Jahresende bereits 17 Mitglieder zählte.

Die ersten Jahre waren von großen Herausforderungen geprägt. Zunächst fanden die Gottesdienste wechselweise in Privatwohnungen statt, ehe die Gemeinde im Jahr 1902 einen Raum in einer Gastwirtschaft nutzte. Dort blieb sie jedoch nicht von Anfeindungen verschont. In dieser Zeit erwies sich Diakon Georg Schuster als verlässliche Stütze der Gemeinde. Nach seiner Ordination zum Priester im Jahr 1904 übernahm er als Gemeindevorsteher Verantwortung.

Mit großem persönlichem Einsatz erwarb Priester Schuster 1905 ein Haus in der Bahnhofstraße und richtete dort einen eigenen Gottesdienstraum ein. Schon wenige Jahre später reichte der Platz jedoch nicht mehr aus. Deshalb entstand in der Sauerbrunnenstraße ein neues Kirchengebäude, das 1909 geweiht wurde. Gleichzeitig entwickelte sich ein reges Gemeindeleben. Dazu gehörte unter anderem die Gründung des bis heute bestehenden Chores.

Wachstum und Erster Weltkrieg

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Gemeinde Göppingen stetig weiter. Das Gemeindeleben war von einer großen Verbundenheit geprägt. Eine lebendige Gottesdienstkultur, die Einführung der Sonntagsschule im Jahr 1912 sowie zahlreiche gemeinsame Ausflüge zeugen von dieser Entwicklung.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann jedoch eine schwere Zeit. Mehrere Gemeindemitglieder kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Gleichzeitig führte die gemeinsame Not zu einem noch stärkeren Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde.

Nach Kriegsende setzte erneut eine Phase des Wachstums ein. Zwischen 1918 und 1923 gingen aus der Gemeinde Göppingen mehrere Tochtergemeinden in der Umgebung hervor.

Im Jahr 1923 wurde der Kirchenbezirk Göppingen gegründet und unter die Leitung des Bezirksältesten Georg Schuster gestellt. Bis 1931 entwickelte sich der Bezirk zu einer beachtlichen Größe mit 14 Gemeinden und mehr als 700 Mitgliedern.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Priester Georg Schuster, der die Anfangsjahre der neuapostolischen Kirchengemeinde Göppingen entscheidend geprägt hatte, in die Ewigkeit gerufen. Sein langjähriger Weggefährte Adolf Schittenhelm übernahm anschließend die Aufgaben als Gemeindevorsteher und Bezirksevangelist.

Während des Krieges wurden viele Gemeindemitglieder zum Wehrdienst eingezogen, zahlreiche von ihnen kehrten nicht zurück. Auch der Luftangriff auf Göppingen im März 1945 brachte großes Leid über die Gemeinde und führte zu vielen Trauerfällen.

Nach Kriegsende begann erneut eine Zeit des Aufbaus. Zahlreiche Amtsträger wurden ordiniert, gleichzeitig wuchs die Gemeinde deutlich. Mitte der 1950er Jahre erreichte sie mit 437 Mitgliedern ihren bisherigen Höchststand.

Da das Kirchengebäude den wachsenden Platzbedarf nicht mehr decken konnte, wurde es 1954 erweitert und erstmals mit einer Orgel ausgestattet. Auch das musikalische Leben entwickelte sich weiter. So entstand unter anderem ein Bezirksjugendchor, der das Gemeinde- und Bezirksleben nachhaltig bereicherte.

Neubau und weitere Entwicklung

In den 1960er Jahren zeichnete sich ab, dass das bisherige Kirchengebäude den Anforderungen der wachsenden Gemeinde langfristig nicht mehr gerecht werden würde. Deshalb begann 1965 der Bau einer neuen Kirche in der Olgastraße. Im Dezember 1966 wurde das neue Gotteshaus geweiht und bot der Gemeinde deutlich mehr Raum.

Auch in den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich die Gemeinde und der Kirchenbezirk kontinuierlich weiter. Neue kirchliche Angebote wurden eingeführt, darunter ein systematischer Religionsunterricht und eine strukturierte Jugendarbeit. Darüber hinaus prägten Chöre, Orchester und weitere musikalische Gruppen das Gemeinde- und Bezirksleben.

Zunehmend gewann auch die internationale Ausrichtung der Gemeinde an Bedeutung. Gottesdienste und Veranstaltungen in verschiedenen Sprachen eröffneten Menschen unterschiedlicher Herkunft die Möglichkeit, das Evangelium zu hören und am Gemeindeleben teilzunehmen. Auf diese Weise entwickelte sich Göppingen zu einem Zentrum mehrsprachiger kirchlicher Aktivitäten.

Strukturwandel und 100-Jahr-Jubiläum

Seit den 1980er- und 1990er-Jahren stellte der gesellschaftliche Wandel die Gemeinden vor neue Herausforderungen. Insbesondere die demografische Entwicklung machte organisatorische Anpassungen erforderlich. Im Laufe der Jahre wurden deshalb mehrere kleinere Gemeinden mit größeren Gemeinden zusammengeführt.

Zwischen 1991 und 1993 wurde das Kirchengebäude in Göppingen umfassend renoviert und modernisiert. Dadurch entstanden neue Möglichkeiten für Begegnung und gemeinschaftliche Aktivitäten.

Im Jahr 2001 feierte die Gemeinde ihr 100-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Festprogramm, zu dem auch öffentliche Veranstaltungen gehörten.

Neuordnung und aktuelle Entwicklungen

Im Jahr 2015 erfolgte ein bedeutender struktureller Schritt: Die Kirchenbezirke Göppingen und Kirchheim/Teck wurden zum neuen Kirchenbezirk Göppingen/Kirchheim zusammengeschlossen. Ziel war es, Ressourcen zu bündeln und den Kirchenbezirk sowie die Gemeinden langfristig zu stärken. Im Jahr 2019 kehrte der Kirchenbezirk aus organisatorischen Gründen wieder in den Apostelbereich Ulm zurück.

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Aufnahme der Kirchengemeinde Göppingen in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) im Jahr 2023. Damit wurde die ökumenische Zusammenarbeit vor Ort weiter gestärkt.

Die Gemeinde heute

Heute zählt die neuapostolische Kirchengemeinde Göppingen rund 380 Mitglieder. Die seelsorgerische Betreuung übernehmen rund 30 ehrenamtliche Amtsträger. Darüber hinaus prägen vielfältige Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren das Gemeindeleben.

Auch die Kirchenmusik nimmt weiterhin einen wichtigen Platz ein. Ein gemischter Chor, Organisten sowie gelegentlich ein Bläserensemble gestalten die Gottesdienste musikalisch mit.

Trotz gesellschaftlicher Veränderungen ist die Gemeinde ein Ort der Begegnung, des Glaubens und der Gemeinschaft geblieben.

Festgottesdienst zum Gemeindejubiläum

Am Sonntag, 9. August 2026, feiert Bezirksapostel Martin Rheinberger gemeinsam mit den Gläubigen in Göppingen einen Festgottesdienst zum 125-jährigen Gemeindejubiläum. Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr.

Fotos: NAK Süd

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