Gottes Erlösungswille umfasst alle Menschen. Jesus Christus ist Herr über die Lebenden und die Toten, wie es in Römer 14,9 zu lesen ist: „Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.“
Die drei Sakramente für Verstorbene
Bereits in der Gemeinde zu Korinth wurden Lebende stellvertretend für Tote getauft: „Was machen denn die, die sich für die Toten taufen lassen? Wenn die Toten gar nicht auferstehen, was lassen sie sich dann für sie taufen?“ schrieb Apostel Paulus im 1. Korinther 15,29. Diese Praxis setzt sich heute in den Gottesdiensten für Entschlafene der Neuapostolischen Kirche fort.
Drei mal im Jahr führen der Stammapostel sowie die Bezirksapostel der Gebietskirchen die Gottesdienste für Entschlafene durch. In diesen Gottesdiensten empfangen zwei Amtsträger – stellvertretend für die Verstorbenen – die Heilige Wassertaufe, die Heilige Versiegelung und das Heilige Abendmahl. Die Sakramente werden in der gleichen Weise vollzogen wie dies bei lebenden Personen geschieht. In den Kirchengemeinden, in denen kein Stammapostel oder Bezirksapostel als Dienstleiter anwesend ist, wird nach der Feier des Heiligen Abendmahls in einem besonderen Gebet der Entschlafenen gedacht.
Die Gottesdienste für Entschlafene haben im neuapostolischen Kirchenjahr einen wichtigen Stellenwert. Bereits am Sonntag zuvor bereiten sich viele Kirchengemeinden im Gottesdienst darauf vor. Barmherzigkeit und Mitempfinden sollen zur Fürbitte für unerlöst Verstorbene anregen.
"Du bist kein Problemfall für Gott"
Am Sonntag, 5. Juli 2026, fand der Gottesdienst für Entschlafene mit Bezirksapostel Martin Rheinberger in der Kirchengemeinde Esslingen-Mitte statt. Dabei wurden die drei Sakramente wie oben beschrieben gespendet. Der Bezirksapostel legte dem Gottesdienst einen Bibeltext aus Psalm 130,7 zugrunde: „Denn bei dem Herrn ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm." Die Kernbotschaft des Gottesdienstes war: Der Herr der Lebenden ist auch der Herr Toten - und er will allen helfen.
Bezirksapostel Rheinberger nahm Bezug auf die Begegnung zwischen Jesus und dem Blinden bei Jericho, die in Lukas 18,41 beschrieben ist. Der Blinde ruft Jesus um Erbarmen an. Jesus wendet sich ihm zu und fragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“. Diese Frage stelle Gott auch jedem Einzelnen. Er sehe dich und mich nicht als Punkt auf einer To-Do-Liste, die abgearbeitet werden müsse. Er sehe dich und mich nicht als Problemfall an, den es zu lösen gelte. Vielmehr spreche Gott in seiner Liebe jeden einzelnen Menschen als geliebtes Kind an und frage: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“
Zur weiteren Wortverkündigung wurden Apostel Daniel Habich aus dem Apostelbereich Karlsruhe und Apostel Volker Keck aus dem Apostelbereich Ulm aufgerufen. Bilder aus dem Gottesdienst in Esslingen-Mitte folgen noch.
Foto: Mariusz@adobe.stock