Erweckungsbewegung in England und Schottland als Ursprung
Zur Beschreibung dieser Aussonderung und der Wiederbesetzung des urchristlichen Apostelamtes in der Endzeit ist es erforderlich, auf die Vorgeschichte der Katholisch-Apostolischen Bewegung zurückzugehen. Ihr Ursprung liegt in einer Erweckungsbewegung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in England und Schottland. Zentrale Prediger dieser Erweckung waren Henry Drummond (1786-1860), John Bate Cardale (1802-1877) und Edward Irving (1792-1834).
Zentrale Orte dieser Erweckung waren die „prophetischen Konferenzen“ auf dem Landsitz von Drummond in Albury, südwestlich von London, in den Jahren 1826-1830. Die Konferenzen sind als „Albury-Konferenzen“ in die Geschichte der Katholisch-Apostolischen Bewegung eingegangen. Hier trafen sich hochgestellte Laien und Theologen verschiedener Konfessionen (Anglikaner, Presbyterianer, Militärs und Juristen), um prophetische Schriften der Bibel mit großer geistlicher Offenheit intensiv zu studieren.
Nach dreijährigen Beratungen wurden zwölf Männer als Apostel berufen
Seit dem Jahr 1830 waren in Schottland und ab 1831 besonders in den Gemeinden um den schottischen Prediger und Londoner Geistlichen Edward Irving prophetische Gaben wie Zungenreden und Prophezeiungen aufgetreten. In prophetischen Worten wurden einzelne Männer zum Aposteldienst berufen. Die erste Berufung eines Apostels (John Bate Cardale) geschah am 31. Oktober 1832 durch ein prophetisches Wort. Schließlich, nach dreijährigen Beratungen und Gesprächen, waren zwölf Männer als Apostel berufen worden. Sie sollten nach dem Verständnis der damaligen Gläubigen die endzeitliche Kirche auf die Wiederkunft Jesu Christi vorbereiten. Die Zahl Zwölf erinnerte bewusst an den Kreis der Apostel Jesu.
Am 14. Juli 1835 kamen die Apostel in London zusammen. An diesem Tag wurden die zwölf Apostel feierlich ausgesondert. Sie stellten ihr Leben ganz in den Dienst ihres apostolischen Auftrags. Dieser Auftrag war zudem ein ökumenischer: Die Apostel verstanden sich als Gesandte für die gesamte Christenheit. Aus den darauffolgenden Beratungen entstand „Das Große Testimonium“, das 1836 fertiggestellt wurde und an die geistlichen und weltlichen Führer Europas gerichtet war. Die Apostel bekannten darin ihren Glauben an die baldige Wiederkunft Christi und riefen die Christenheit zur Umkehr und Vorbereitung auf das Kommen des Herrn auf. Der Weckruf des Testimoniums verhallte allerdings ungehört und wohl auch ungelesen.
Hinter den von Christus gesandten steht der Herr selbst
Nachdem später keine neuen Apostel mehr berufen wurden und die ursprünglichen Apostel seit 1855 nach und nach starben, entstanden in verschiedenen Ländern neue apostolische Bewegungen. In diese Entwicklungen hinein gehört auch die Geschichte der Neuapostolischen Kirche. Die Sendung der Apostel sollte damals wie heute dazu dienen, Menschen auf Jesus Christus hinzuweisen und sie auf seine Wiederkunft vorzubereiten.
Die Bibellesung aus Johannes 20,19–23 lenkt den Blick auf den Ursprung allen apostolischen Wirkens. Der auferstandene Herr spricht zu seinen Jüngern: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Christus selbst ist der Sender. Von ihm geht jede Beauftragung aus. So verbindet sich die Erinnerung an den 14. Juli 1835 mit dem Bibelwort aus Matthäus 10,40. Hinter den von Christus Gesandten steht der Herr selbst. Ihn anzunehmen und ihm nachzufolgen bleibt die Mitte unseres Glaubens.
Historische Fotomontage: Die Apostel der Katholisch-apostolischen Kirche (ohne Duncan MacKenzie)
Quelle: nac.today