23.06.2026

Johannes – Wegbereiter Christi

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Das Bibelwort für den Wochengottesdienst am 24. Juni bietet einen Ausschnitt aus der Vorgeschichte des Weihnachtsevangeliums nach Lukas (Lukas 1,13–15). Aber mitten im Sommer? Ja, das hat seine Gründe in der biblischen Zeitrechnung und der Feier des Gedenktages des Johannes des Täufers im Kirchenkalender – nämlich am 24. Juni, dem Johannistag.

Der Johannistag erinnert an die Geburt Johannes des Täufers. Er war der Mann, der von Gott dazu berufen wurde, den Weg für Jesus Christus zu bereiten. Nach dem Lukasevangelium erscheint dem Priester Zacharias im Tempel ein Engel und kündigt die Geburt eines Sohnes an. Dabei spricht der Engel: „Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Johannes geben. Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden mit dem Heiligen Geist“ (Lukas 1,13–15).

Johannes weist auf den hin, der größer ist als er

Johannes ist kein gewöhnliches Kind. Noch bevor er geboren wird, steht sein Leben unter einer besonderen Verheißung Gottes. Er wird „mit dem Heiligen Geist erfüllt“ sein und einen Auftrag erhalten: Johannes soll die Menschen auf das Kommen Jesu Christi vorbereiten. Er wird sie zur Umkehr rufen und ihre Herzen für Gottes Handeln öffnen. So wird Johannes zum Wegbereiter Christi. Er weist auf den hin, der größer ist als er. Als Jesus öffentlich auftritt, sagt Johannes: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,30). In diesen wenigen Worten wird seine ganze Haltung sichtbar: Demut und die Bereitschaft, hinter Christus zurückzutreten.

Der Johannistag liegt nahe an der Sommersonnenwende. Von nun an werden die Tage kürzer. Schon früh haben Christen darin ein Sinnbild für die Worte des Täufers gesehen: Johannes nimmt ab, Christus nimmt zu. Ein halbes Jahr später, zur Weihnachtszeit, feiern wir die Geburt Jesu, wenn die Tage wieder länger werden. So verbindet der Kirchenkalender auf sinnfällige Weise die Lebensgeschichten von Johannes und Jesus mit dem Lauf des Jahres.

Der auffallend große Zeigefinger zeigt auf den Gekreuzigten

Besonders eindrücklich wird die Rolle des Täufers auf dem Isenheimer Altar (1512/16; heute im Unterlinden-Museum Colmar, siehe Foto) dargestellt. Der Altar hatte ursprünglich seinen Platz im Kloster der Antoniter in Isenheim im Elsass, und zwar im Hospital des Klosters. Es sollte Kranken Trost spenden und Hoffnung geben. Das Meisterwerk von Matthias Grünewald zeigt in geöffnetem Zustand den gekreuzigten Christus. Neben dem Kreuz steht Johannes der Täufer – obwohl er historisch zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr lebte. Die Aussage des Kunstwerkes ist: Johannes weist auf Christus hin. Sein auffallend großer, fast überdimensionierter Zeigefinger zeigt auf den Gekreuzigten. Grünewald macht sichtbar, was der Auftrag des Täufers ist: Er macht nicht auf sich selbst aufmerksam, sondern auf Jesus Christus. Johannes ist somit ein Vorbild des Glaubens, der Demut und der Treue zu Gott, der ihn beauftragt hat, von Christus zu zeugen.

Der Johannistag wird in vielen südeuropäische Regionen begangen. Besonders in Portugal wird der São João, wie der Tag auf Portugiesisch heißt, mit viel Lebensfreude gefeiert. Dieser Tag lädt dazu ein, auf den Wegbereiter Christi zu schauen. Gottes Heilsgeschichte beginnt oft mit Menschen, die wie Johannes bereit sind, auf den kommenden Herrn hinzuweisen. Darum gedenkt man seiner bis heute: Er ist der Mann, der den Weg für Christus bereitete.

Foto: © Jörgens.Mi/Wikipedia , Lizenz: CC-BY-SA 3.0 , Quelle: Wikimedia Commons

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