Die Ereignisse von Karfreitag gehören zu den ältesten Berichten des Neuen Testaments. Die Evangelien berichten, wie Jesus verurteilt, verspottet und gekreuzigt wurde. Er leidet am Kreuz und stirbt – und doch wird gerade darin deutlich, wer er ist: Gottes Sohn, der sein Leben für die Menschen gibt. Dies wird unterstrichen in den Worten des römischen Hauptmanns unter dem Kreuz Jesu: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!“ (Mk 15,39). Jesu Tod ist nicht das Ende, sondern der Weg zu neuem Leben. Wir erinnern uns daran in besonderer Weise – in Gottesdiensten, die an Karfreitag, dem Feiertag vor Ostern, gefeiert werden.
Karfreitag steht nicht für sich allein, sondern im Zusammenhang mit der Karwoche: Diese beginnt mit Palmsonntag, dem Tag, an dem an Jesu Einzug in Jerusalem erinnert wird. Am Gründonnerstag, dem Tag vor Karfreitag, erinnern wir uns an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. In dieser Nacht setzte er das Heilige Abendmahl ein und gab Brot und Wein mit den Worten: „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“ (Mk 14,22.24). Damit schenkt er bis heute Gemeinschaft mit sich und erinnert an seine Hingabe für uns. Zugleich wird deutlich: Jesus weiß um seinen bevorstehenden Weg des Leidens – und geht ihn aus Liebe. Nach Karfreitag, am Karsamstag denken wir an die Grabesruhe Jesu. Der Karsamstag ist ein stiller Tag. Jesus liegt im Grab, und scheinbar ist alles zu Ende. Für die Jünger war es eine Zeit der Trauer, der Unsicherheit und der Hoffnungslosigkeit. Doch gerade in dieser Stille wächst die Hoffnung auf Ostern: Gott lässt seinen Sohn nicht im Tod – er wird ihn an Ostern aus dem Grab auferstehen lassen.
Im religiösen Brauchtum hat sich mancherorts– wie etwa in Lohr am Main – eine Begehung am Karfreitag erhalten: Die Menschen gehen, gemessenen Schrittes und Figuren tragend, die in der Passionsgeschichte eine Rolle spielen, durch die Straßen – in aller Stille, mit feierlicher, der Trauer angemessenen Musik. So lässt sich sinnfällig Karfreitag in seiner Bedeutung erfassen.
Karfreitag macht deutlich: Auch im Leiden ist Gott uns nahe. Karfreitag weist schon auf Ostern hin – auf die Hoffnung auf Auferstehung.
Der Gottesdienst zu Karfreitag findet in den neuapostolischen Kirchengemeinden in Süddeutschland am 3. April 2026 um 9.30 Uhr statt. Er steht unter dem Bibelwort Johannes 19,30. Die Bibellesung stammt aus Markus 15,22–39. Beide Bibelworte haben den Tod Jesu am Kreuz zum Inhalt.
Foto: Adobe Stock