Der Esel – ein messianisches Zeichen
Die Evangelien berichten übereinstimmend vom Einzug Jesu in Jerusalem (Mk 11,1–11; Mt 21,1–11; Lk 19,28–40; Joh 12,12–19). Den Berichten nach reitet Jesus auf einem Esel in Jerusalem, der Stadt Gottes und dem Ort des Tempels, ein. Er wird umjubelt von einer Menschenmenge, die in ihm den Retter vor der Römerherrschaft sieht – die Römer beherrschen das Land und unterdrücken die Bevölkerung. Jesus wählt ein Reittier, das im Alten Testament im Zusammenhang mit dem Königtum in Israel steht. Der Hintergrund ist im Buch Sacharja zu finden: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sach 9,9). In Jesu Einzug erfüllt sich eine messianische Verheißung. Der Kontrast ist deutlich – kein Kriegspferd, kein Triumphwagen, sondern ein im ländlich-armen Raum genutztes Lasttier. Jesus als der messianische König erscheint somit als Friedensgestalt. Der Einzug Jesu eröffnet den Jerusalemer Abschnitt in den Evangelien und leitet die Konflikte ein, die zur Passion führen – Konflikte mit den jüdischen Oberen und der Besatzungsmacht Rom. Am Ende steht das Kreuz – aber auch die Auferstehung an Ostern.
Palmsonntag im Kirchenjahr
Historisch entwickelte sich das Fest aus der Jerusalemer Liturgie, einer Gottesdienstordnung des 4. Jahrhunderts. Die Pilgerin Egeria berichtet von einer Prozession vom Ölberg in die Stadt – mit Zweigen in den Händen, es wurden Psalmen gesungen und aus den Evangelien gelesen. Aus dieser Praxis entstanden die Palmprozessionen des Westens. Der Name des Festes „Palmsonntag“ bezieht sich auf das Johannesevangelium. Dort berichtet der Evangelist ausdrücklich von Palmzweigen, mit denen die Menschen Jesus entgegengehen. Da in Mitteleuropa keine Palmen wachsen, ersetzte man sie durch heimische Gewächse: Buchsbaum, Weidekätzchen, Hasel oder Wacholder. So entstanden die „Palmkätzchen“ – das sind blühende Weidenzweige. Im Mittelalter entwickelte sich der Brauch des „Palmesels“ – eine Figur Christi auf einem hölzernen Esel, die in der Prozession mitgeführt wurde. In manchen Gegenden Süddeutschlands und Österreichs lebt diese Tradition noch fort.
Theologische Bedeutung
Die Menschen in Jerusalem hofften auf politische Befreiung von der römischen Gewaltherrschaft. Jesus aber zeigt eine andere Form von Herrschaft – gewaltlos, dienend, leidensbereit. Der Messias (= Christus) Jesus kommt nicht mit Pomp und militärischer Macht, sondern in Demut. Sein Weg führt vom „Hosianna“ zum „Kreuzige ihn“ und weiter zur Auferstehung – dem Kernpunkt des Osterglaubens!
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