22.12.2025

„…muss in harten Krippen schlafen…“

Alle Meldungen anzeigen

Unsere Überschrift ist ein Zitat aus der berühmten Arie „Großer Herr, o starker König“ (BWV 248/8) des ersten Teils von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Der allmächtige Gott, der Schöpfer aller Dinge, wird als Kind in einer einfachen, harten Krippe geboren - ein starker Kontrast zu seiner göttlichen Majestät, die in der Arie besungen wird.

Der Kontrast ist kaum auszuhalten: Das göttliche Kind in einer „harten“, unbequemen Krippe für Tiere – weit weg von allem, was wir an Weihnachten mit Behaglichkeit und Festlichkeit verbinden. Gerade dieses Bild zeigt aber das Wahre und Unverstellte der Menschwerdung: Gott kommt nicht in eine perfekte, heile Welt, sondern in unsere rauen, kalten, zutiefst menschlichen Verhältnisse. Genau dies ist es auch, was den Menschen damals, seien es Griechen oder Römer, schwer klarzumachen ist: Das Heil aller Welt kommt in erbärmlichen Verhältnissen zur Welt. Das würde kein antiker Historiker über Kaiser oder König schreiben. Aber der Evangelist Lukas tut eben dies: Der Heiland der Welt liegt in einer Krippe für Tiere.

„… und legte ihn in eine Krippe“

Wenn wir das Wort Krippe hören, haben wir die vertraute Szene vor Augen: Maria und Josef, das neugeborene Kind, einige Tiere, Hirten, später die Weisen und im Zentrum – die Krippe. Der Evangelist Lukas erzählt mit knapper Klarheit: „… und sie gebar ihren ersten Sohn und legte ihn in eine Krippe“ (Lk 2,7). Nicht im Palast, nicht im Tempel, nicht an einem Ort der Macht- und Prachtentfaltung – sondern dort, wo Tiere ihr Futter aufnehmen. Gottes Nähe zeigt sich im Niedrigen, sein Kommen gilt nicht den Satten und Etablierten, sondern Menschen am Rand der Gesellschaft. Die Krippe steht für die Entäußerung Christi, für die Selbsterniedrigung, die später von Apostel Paulus theologisch gedeutet wird (Phil 2,6–11).

Was ist eine Krippe?

Das griechische Wort, das im Lukasevangelium verwendet wird, bedeutet ganz allgemein Futterstelle, Futtertrog oder Futterkrippe. Also ein Ort, an dem Tiere ihr Futter aufnehmen. Im Deutschen hat sich „Krippe“ als Übersetzung eingebürgert – beeinflusst durch das mittelalterliche Bild der Holzkrippe. Futterkrippen waren häufig aus Stein gearbeitet, entweder als stehender Trog oder als in die Wand gemauerte Rinne – Holz war sehr wertvoll, deswegen waren Krippen aus Holz selten. Zurück zu Bachs „harte Krippen“. Die Krippe wird hier zum geistlichen Prüfstein: Wer Christus sucht, sucht ihn in der Armut und Bedürftigkeit, in der Schutzlosigkeit des Lebens – dort, wo Menschen Trost und Hoffnung brauchen. Eine wundervolle Wiedergabe der biblischen Botschaft!

Die Selbsterniedrigung des Gottessohnes bis in menschliche Verhältnisse hinein sind Thema des Gottesdienstes am 1. Weihnachtsfeiertag, Donnerstag, 25. Dezember 2025, 9.30 Uhr. Der Bibeltext befasst sich mit dem Zeugnis des Apostels Paulus in Philipper 2,5-7, die Lesung stammt aus Lukas 2,1-14, der Weihnachtsgeschichte nach Lukas – mit Hirten und der Krippe. Bezirksapostel Michael Ehrich feiert den Gottesdienst in der Kirchengemeinde Schorndorf (Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd).

Foto: Adobe Stock/Mary Salen

Kontakt

Bitte füllen Sie das Feld aus
Bitte füllen Sie das Feld aus
Bitte füllen Sie das Feld aus

* Pflichtfeld

Nachricht senden

Vielen Dank für Ihre Nachricht!

Wir werden Ihre Anfrage in Kürze bearbeiten und uns bei Ihnen unter den angegebenen Kontaktdaten melden.

Ihr Kommunikationsteam der
Neuapostolischen Kirche Süddeutschland K.d.ö.R.