18.11.2025

Rückblick und Neuorientierung am Buß- und Bettag

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Der Buß- und Bettag ist heute kein gesetzlicher Feiertag mehr und erhält im öffentlichen Leben nur geringe Aufmerksamkeit. Dennoch bietet er einen wichtigen Anlass zur persönlichen Besinnung: innezuhalten, das eigene Handeln zu reflektieren und den Blick erneut auf Gottes Wirken zu richten.

Zunächst ist ein verbreitetes Missverständnis zu klären: „Buße“ meint im biblischen Kontext nicht Reue oder das Erbitten von Vergebung. Der Begriff bezeichnet nicht Strafe oder Selbstanklage, sondern Umkehr. Das im Alten Testament verwendete hebräische Wort „šûb“ bedeutet wörtlich: „zurückkehren" oder "umkehren“. So fordert der Prophet Joel im Namen Gottes auf: „Kehrt um zu mir von ganzem Herzen“ (Joel 2,12). Buße bedeutet daher: die Rückkehr zu Gott.

Auch Jesus beginnt seine Verkündigung mit einem Ruf zur Umkehr: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Das griechische Wort „metanoia“ meint ursprünglich eine tiefgreifende Veränderung des Denkens und Lebens. Buße ist damit eine Reaktion auf Gottes gegenwärtiges Handeln in Jesus Christus – nicht dessen Voraussetzung.

Martin Luther setzte bereits in der ersten seiner 95 Thesen einen grundlegenden Akzent: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen eine Buße sei.“ Für Luther war Buße kein einmaliges Ereignis, sondern eine Lebenshaltung. Sie umfasst zwei Schritte: das Erkennen der eigenen Fehlbarkeit und die Hinwendung zu Christus, der vergibt und erneuert. So ist Buße für Luther kein moralischer Zwang, sondern ein Weg zur Freiheit. Wer umkehrt, wird neu – nicht aus sich selbst, sondern aus Gottes Gnade.

So ist der Buß- und Bettag kein Tag der Trauer, sondern ein Tag der Hoffnung. Er erinnert uns daran, dass Erneuerung, Umkehr und Hinwendung zu Gott möglich sind.

In der Gebietskirche Süddeutschland wird der Buß- und Bettag in den Gemeinden am Mittwoch, 19. November 2025 gefeiert. Den Gottesdiensten liegt das Bibelwort aus Lukas 19,10 zu Grunde: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Foto: Adobe Stock/Omega

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