Dem Weihegottesdienst lag das Textwort aus Hesekiel 44,5 zugrunde: "Du Menschenkind, gib acht und sieh und höre fleißig auf alles, was ich dir sagen will von allen Ordnungen und Gesetzen im Haus des Herrn". Der Bezirksapostel brachte seine Dankbarkeit gegenüber Gott, den Glaubensgeschwistern – deren Spenden diese Umbauten erst ermöglicht hatten –, den Architekten, Handwerkern und den zuständigen öffentlichen Stellen zum Ausdruck. Er weihte das Kirchengebäude mit den Worten: "Dies ist nun ein Haus Gottes, das Gott zur Ehre und den Menschen zum Segen eingeweiht ist." Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst durch einen Projektchor, ein Celloquintett mit Flügel sowie den Jugendchor des Bezirks Reutlingen. Weitere Informationen zum Weihegottesdienst finden sich auf der Webseite des Kirchenbezirks Reutlingen.
Spagat zwischen Denkmalschutz und Modernisierung
Das Kirchengebäude in der Dürrstraße wurde im September 1953 eingeweiht und erhielt durch seine herausragende Architektur überregionale Beachtung. In den 70er und 80er Jahren überlagerten Umbauten teilweise die ursprüngliche Gestaltung. Dennoch wurde das Gebäude im Jahr 2017 als Baudenkmal ausgewiesen. Die wesentliche Aufgabe der Sanierung bestand zum einen in der Wiederherstellung der ursprünglich gebauten Architektur, zum anderen sollte durch den Umbau ein modernes Kirchengebäude entstehen, das die heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Bandschutz und Technik erfüllt.
Wesentliche bauliche Veränderungen sind die Entfernung des rückseitigen Anbaus sowie der großen Vordächer, das Höherlegen des Haupteingangs und die Öffnung des Foyers für Tageslicht. Mit dem Neubau eines hellen, lichtdurchfluteten Glasanbaus konnte ein Aufzug über alle Geschosse verwirklicht werden, der die Barrierefreiheit in fast alle Räume sicherstellt. Im Obergeschoss des Glasanbaus befindet sich die neue Sakristei, die damit auf einer Ebene mit dem Kirchenschiff liegt.
Das Kirchenschiff erhielt neue Oberflächen: Decken, Wände, Bänke und Orgelverkleidung wurden renoviert. Außerdem verwendeten die Planer große Sorgfalt auf die Raumakustik des Kirchenschiffs, die eine hohe Sprachverständlichkeit als auch Musikgenuss ermöglicht. Der ehemalige Raum für die Sakristei im Erdgeschoss dient nun als Gruppenraum für verschiedene Nutzungen.
Auch technisch ist das Kirchengebäude auf dem neuesten Stand: Der Einbau von Fluchttreppe und Rauchschutztüren erfüllt die neuesten brandschutztechnischen Normen. Mit dem Einbau einer Wärmepumpe, einer dachintegrierten PV-Anlage, einer neuen Lüftungsanlage sowie elektrotechnischen Ausrüstung wurde die Haustechnik unauffällig modernisiert. Für die Planung der Umgestaltung waren Hartmaier + Partner, Freie Architekten BDA in Münsingen verantwortlich. Das Projektmanagement lag bei der Abteilung Bau/Unterhalt des Verwaltungs- und Dienstleistungszentrums der Neuapostolische Kirche Süddeutschland.
Die Kirchengemeinde Reutlingen
So besonders wie das Kirchengebäude ist auch die Geschichte der Kirchengemeinde Reutlingen. Zu Beginn waren die Kirchenmitglieder Teil einer großen Kirchengemeinde, die in der Alexanderstraße angesiedelt war. In den Nachkriegsjahren wurde jedoch ein zusätzliches Kirchengebäude notwendig. Der vielbeachtete Kirchenneubau 1953 in der Dürrstraße wurde eingeweiht und gleichzeitig teilte sich die Kirchengemeinde in zwei Standorte auf: Reutlingen-Süd in der Alexanderstraße und Reutlingen-West in der Dürrstraße.
Zu ihren Hochzeiten zählten beide Kirchengemeinden jeweils über 1.000 Mitglieder. Aus ihnen heraus wurden zahlreiche Kirchenstandorte in den umliegenden Stadtteilen und Gemeinden gegründet. Aufgrund des starken Mitgliederwachstums musste in den 70er Jahren sogar der Kirchenbezirk geteilt werden: In einen Süd- und einen Westteil, jeweils mit den zentralen Gebäuden in der Alexanderstraße und der Dürrstraße. Nach rund 40 Jahren Trennung wurden im Jahr 2017 die beiden Bezirke wieder zusammengeführt.
Auch die beiden Kirchengemeinden fanden etwas später wieder zusammen: 2023 erfolgte zum Beginn der Umbauarbeiten in der Dürrstraße die Zusammenführung zu einer Kirchengemeinde am Standort Alexanderstraße. Mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten hat die wiedervereinte Kirchengemeinde Reutlingen nun ihre endgültige Heimat im Kirchengebäude in der Dürrstraße gefunden.
Die Kirchengemeinde Reutlingen zählt rund 700 Gemeindemitglieder, diese werden aktuell von 35 ehrenamtlich tätigen Seelsorgern betreut. Sie ist eine von 13 neuapostolischen Kirchengemeinden, die gemeinsam den Kirchenbezirk Reutlingen bilden. Mit weiteren acht Kirchenbezirken gehört dieser zum Apostelbereich Stuttgart, der von Apostel Jürgen Loy geleitet wird.
Fotos: Christoph Wagner, Stefan Walter