02.10.2025

Erntedank – damals und heute 

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Im Herbst feiern unsere Gemeinden das Erntedank – ein Fest mit Wurzeln bis in die Antike, der auch heute noch in vielen Ländern gepflegt wird. Er erinnert daran, dass Leben, Natur und Schöpfung – ebenso wie Aussaat und Ernte – nicht selbstverständlich, sondern Gaben Gottes sind, für die wir Dankbarkeit zeigen.

Ursprünge in der Antike

Bereits in der Antike feierten verschiedene Kulturen Fruchtbarkeits- und Erntefeste – etwa die Griechen, Römer, Kelten und Germanen. Diese Feste waren Ausdruck des Dankes an göttliche Mächte für Fruchtbarkeit und Ernte. So etwa das römische Ceres-Fest und der griechische Demeter-Kult, die sich stark ähnelten: Ceres galt als römisches Gegenstück zur griechischen Göttin Demeter. Beide standen – nach antiker Vorstellung – für Ackerbau und Fruchtbarkeit.Auch in der jüdischen Tradition findet sich ein Erntefest mit Dankcharakter: Das Laubhüttenfest, wie es im Alten Testament beschrieben wird (5. Mose 16,13–15), war ein Fest der Freude und des Dankes für die eingebrachten Erträge und den Segen Gottes.

Erntedank im Mittelalter

Das heutige Erntedankfest hat sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt. Seine Wurzeln liegen in der Einsicht, dass Ernte und Nahrung keine Selbstverständlichkeit sind, sondern als Gabe Gottes verstanden wurden. Bereits seit dem 3. oder 4. Jahrhundert wurden in christlichen Gottesdiensten Gebete und Danksagungen für die Ernte gesprochen. Ein eigenständiger Erntedankfesttag war jedoch im Mittelalter noch nicht etabliert. Stattdessen fanden Dank- und Bittprozessionen statt – etwa an den Bitttagen im Frühjahr oder an Festtagen wie Mariä Himmelfahrt oder dem Michaelistag, dem Gedenktag des Erzengels Michael. Im Mittelpunkt standen dabei weniger der Dank, sondern eher die Bitte um Schutz und den Segen für eine gute Ernte.

Erntedank in der Neuzeit

Mit der Reformation entwickelte sich das Erntedankfest weiter. In evangelischen Gebieten wurden nach der eingebrachten Ernte eigenständige Dankgottesdienste eingeführt, deren Termine meist von Landesherren oder Gemeinden festgelegt wurden. Auch in katholischen Regionen entstanden ab dem 17. Jahrhundert örtlich geprägte Feiern mit geschmückten Altären und Prozessionen. Zuständig für die Terminbestimmung war meist der zuständige Bischof. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts einigte man sich in den evangelischen Landeskirchen auf den Sonntag nach dem Michaelistag – also auf ein Datum Ende September oder Anfang Oktober – als festen Termin für das Erntedankfest. In der katholischen Kirche blieb die Regelung zunächst regional unterschiedlich. Erst im 20. Jahrhundert setzte sich auch hier weitgehend der Oktober als Erntedankzeit durch.

Erntedank heute

Heute wird das Erntedankfest in Deutschland in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. In den Kirchen werden Altäre mit Erntegaben geschmückt, die häufig an soziale Einrichtungen oder Bedürftige weitergegeben werden. Das Fest schlägt eine Brücke zwischen der traditionell bäuerlichen Erfahrung und aktuellen Themen wie Dankbarkeit, der Bewahrung der Schöpfung sowie dem solidarischen Teilen. Auch international existieren vergleichbare Feste: In den USA und Kanada wird Thanksgiving gefeiert; in Japan das Niiname-sai, ein auf einem alten Reiserntefest basierendes Ritual, das in der Shinto-Tradition verwurzelt ist.

Die neuapostolischen Kirchengemeinden in Süddeutschland feiern das diesjährige Erntedankfest am Sonntag, 5. Oktober 2025, um 9.30 Uhr.  

Foto: Adobe Stock

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