Wolfgang Bott war mehr als 40 Jahre lang als Amtsträger in der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland tätig. Davon wirkte er 22 Jahre lang in der Aufgabe als Apostel im damaligen Bereich Tübingen und mehrere Jahre in der Ukraine und im ehemaligen Jugoslawien.
Bezirksapostel Michael Ehrich und die süddeutschen Apostel und Bischöfe versammelten sich mit der großen Trauergemeinde in der neuapostolischen Kirche in Ofterdingen (Kirchenbezirk Albstadt/Tübingen). Der Bezirksapostel legte der Trauerfeier ein Bibelwort aus Johannes 16, Vers 11 zugrunde: „Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Er stellte den Lebenslauf des Verstorbenen an den Anfang der Trauerfeier, so dass alle nochmals einen gemeinsamen Einblick in das Leben des Apostels nehmen konnten:
Wolfgang Bott kam am 22. September 1947 in Calmbach im Kreis Calw als erstes von sechs Kindern von Gustav und Maria Bott auf die Welt. Im Jahr 1955 bekamen seine Eltern Kontakt zur Neuapostolischen Kirche und bekannten sich zum neuapostolischen Glauben. So empfing Wolfgang Bott am 11. April 1957 das Sakrament der Heiligen Versiegelung.
Bedingt durch den Beruf des Vaters zog die Familie mehrfach um. Seine Jugendzeit erlebte Wolfgang Bott schließlich im Steinlachtal im Landkreis Tübingen. Am 11. Juli 1969 heiratete er Margitta Bott, geborene Müller. Ihre Ehe wurde später mit zwei Kindern und fünf Enkelkindern gesegnet. Seine Familie war immer sein Mittelpunkt und seine Kraftquelle. Nach seiner Ausbildung zum Mechaniker und einer Weiterbildung zum Meister gründete er 1972 mit Unterstützung seiner Frau sein eigenes Unternehmen. Mit großem Mut, Optimismus und großem Fleiß baute er über die Jahre ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen auf.
Aus seinem tiefen Glauben heraus diente er ab 1970 als Amtsträger. Unter anderem war er Diakon, Priester, Gemeindevorsteher, Bezirksevangelist und schließlich elf Jahre lang Bezirksältester für den Kirchenbezirk Tübingen. Er verstand es, sich immer wieder in sein Gegenüber hineinzuversetzen und fand so Zugang zu vielen Herzen. 1990 wurde er von Stammapostel Richard Fehr in Stuttgart-Süd zum Apostel ordiniert und war 22 Jahre lang für den damaligen Apostelbereich Tübingen zuständig. Neben seinem Arbeitsbereich in Süddeutschland betreute er viele Jahre auch Bezirke in der Ukraine und im ehemaligen Jugoslawien. Er erfüllte seine Aufgabe mit ganzem Herzen und voller Demut. Nach seinem jahrzehntelangen Wirken versetzte ihn Stammapostel Wilhelm Leber 2012 in Fürstenfeldbruck in den Ruhestand.
In seiner Trauerrede würdigte der Bezirksapostel den Verstorbenen als sehr engagierten Menschen, sowohl im Glauben als auch im Beruf. Apostel Bott habe auch ein Herz gehabt für die Menschen, die am Rand standen. Bei früheren Reisen ins ehemalige Jugoslawien habe man Menschen in ganz anderen Lebenssituationen gesehen, denen habe sich der Apostel in besonderer Weise zugewandt.
Zu dem vorgelesenen Wort „Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, euer Herz soll sich freuen, eure Freude soll niemand von euch nehmen“ bemerkte der Bezirksapostel, dass bei einem plötzlichen Heimgang wie aus dem Nichts natürlich große Traurigkeit bei den Angehörigen vorhanden sei. Aber Jesus verstehe alle unsere menschlichen Regungen, er verstehe alle, die um liebe Menschen weinen und trauern. Deshalb sei er uns in solchen Zeiten ganz nahe. Dass vielleicht auch die Frage im Herzen stehe, warum alles so geschehen musste, sei ganz menschlich. Aber da spiele das Vertrauen zum lieben Gott eine ganz entscheidende Rolle. Ein Trost möge auch sein, dass es einmal Antworten auf alle Fragen geben werde, die jetzt noch nicht beantwortet seien.
Der Bezirksapostel verbindet in seiner Predigt folgendes Bild mit Wolfgang Bott: „Vor den Menschen aufrecht und gerade, vor Gott in Demut und Gnade. Das war sein Ansatz, seine Haltung. Und auch darin ist er uns ein Vorbild geworden“. Zudem sprach er davon, dass der verstorbene Apostel sein Leben für den Herrn eingesetzt, Gott in den Mittelpunkt gestellt und anderes zurückgestellt habe, um wirklich in Gottes Nähe zu sein. Deshalb sei er nun in der Liebe Gottes geborgen und es gelte die feste Gewissheit auf ein Wiedersehen.
Zu Predigtbeiträgen wurden Bezirksältester Markus Haist, Apostel Jürgen Loy und Bezirksapostelhelfer Martin Rheinberger gerufen, die an persönliche Begegnungen, berührende Momente und bleibende Sätze aus Predigten des Verstorbenen erinnerten. Sie würdigten ihn als anteilnehmenden Seelsorger sowie gradlinigen aufrechten Menschen.
In seinem Schlussgebet betonte der Bezirksapostel, dass es in dieser Trauerfeier nicht nur um den Abschied, sondern auch um die gemeinsame Zukunft gehe: „Wir haben es ins Herz gefasst: Ich will euch wiedersehen, ich werde euch wiedersehen. Das tragen wir in unserem Herzen.“
Fotos: Benjamin Ott