Am 10. August 2025 feierte Bezirksapostel Michael Ehrich, Kirchenpräsident der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland und Bauherr des Projekts, den ersten Gottesdienst im neu errichteten Kirchengebäude in der Schützenstraße in Tuttlingen. Begleitet wurde er von Apostel Martin Schnaufer und Bischof Urs Heiniger (beide Bezirk Freiburg/Tübingen). Der Gottesdienst wurde per Livestream im gesamten Kirchenbezirk Tuttlingen übertragen.
Ein heiliger Ort
Zu Beginn des Weihegottesdienstes gab Bezirksapostel Ehrich einen kurzen Überblick über die Geschichte der örtlichen Gemeinde – von ihrer Gründung im Jahr 1904 bis zur vorübergehenden Schließung des bisherigen Kirchengebäudes im Jahr 2021 aufgrund akuter Einsturzgefahr. Der Bezirksapostel wünschte in seinem Weihegebet: „Gott möge diesem Haus Schutz und Segen geben.“
Im weiteren Verlauf des Gottesdienstes stellte der Bezirksapostel die Frage, was eine Einweihung bedeutet. Der Ort, an dem der Altar steht, sei ein heiliger Ort. Die Einweihung sei nicht einer bestimmten Tradition geschuldet, sondern sie sei ein bewusster Akt, das Haus zu Gottes Lob und Ehre zu weihen. Der Altar sei dabei nicht nur ein Gegenstand aus Stein und Holz, sondern das Sinnbild der Gegenwart des Opfers Jesu Christi. Und das: „24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche.“
Der Predigt lag Psalm 127,1 zugrunde: „Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Der Bezirksapostel betonte, dass hier nicht ein physisches Gebäude gemeint sei, sondern zum einen das Werk Gottes in seiner Gesamtheit und zum anderen die eigene Seele. Während das Irdische vergänglich sei, bleibe das ewige Haus bestehen und bedürfe ständiger Pflege.
Architektur und Besonderheiten des Neubaus
Das neue Kirchengebäude wurde auf dem Grundstück des vorherigen Gotteshauses errichtet. Aufgrund der dreieckigen Grundstücksform und des ausgeprägten Geländeverlaufs stellte das Bauvorhaben besondere architektonische Anforderungen. Der Höhenunterschied wird durch ein nach Osten ansteigendes Dach aufgegriffen, das an seiner höchsten Stelle ein großes Fenster mit einer symbolisierten Sonnendarstellung aufweist – eine gestalterische Referenz an die Sonnenfenster des alten Kirchengebäudes.
Im Inneren ist der Kirchensaal auf dieses Fenster sowie auf die Spitze des Grundstücks ausgerichtet. An diesem zentralen Punkt sind der Altar und ein schlichtes Kreuz angeordnet.
Rund um das Gebäude
Das neue Gebäude verbindet traditionelle Elemente mit modernen und nachhaltigen Baukonzepten. So wurde das Material des abgerissenen Altbaus vor Ort aufbereitet und als Unterbau für das neue Fundament verwendet. Am ehemaligen Standort des Altars – heute Teil des Vorplatzes – wurde eine Robinie gepflanzt, die für ihre Robustheit und ein schnelles Wachstum bekannt ist.
Der Neubau folgt den Prinzipien des ressourcenschonenden Bauens mit langlebigen Materialien und berücksichtigt sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
Der Kirchenraum bietet 140 Sitzplätze auf einer Fläche von rund 135 m². Drei angrenzende Nebenräume ermöglichen bei Bedarf eine Erweiterung auf bis zu 220 Plätze. Ergänzt wird das Gebäude durch einen Vorplatz sowie 20 Stellplätze auf dem angrenzenden Parkplatz. Der Bau wurde von Muffler Architekten PartG mbB, Freie Architekten BDA/DWB (Tuttlingen) entworfen sowie in der Bauphase überwacht und koordiniert.
Fotos: NAK Süddeutschland, Michael Weber / Foto Setzinger