Aus Spanien und Lateinamerika kennen wir die Bezeichnung Semana Santa, die „Heilige Woche“. Damit ist die Karwoche zwischen Palmsonntag und Karsamstag gemeint, wobei die Semana Santa den Ostersonntag und regional auch Ostermontag einschließt. In feierlichen Prozessionen ziehen die Gläubigen durch die Städte wie etwa Sevilla oder Málaga. Die Prozessionen sind nicht nur Ausdruck von Frömmigkeit, sondern auch ein Publikumsmagnet. Die Prozessionen finden täglich statt, besonders gut besucht und feierlich sind sie aber von Gründonnerstag bis Karsamstag. Damit wären schon die wichtigsten Tage der Karwoche – denn das ist die Semana Santa – aufgezählt.
Im deutschsprachigen Raum beginnt die Karwoche mit dem Palmsonntag, dem Einzug Jesu in Jerusalem, hat ihren Höhepunkt mit Gründonnerstag und Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung Jesu, und endet mit Karsamstag. Mit dem Ostersonntag beginnt die Osterwoche, sie endet am Sonntag darauf.
Jesu Einzug in Jerusalem wird in allen Evangelien beschrieben. Das Matthäusevangelium, aus dem das Bibelwort für den diesjährigen Palmsonntag stammt, hebt besonders – wie an anderen Stellen auch – die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen hervor: Jesus wird als der Sohn Davids beschrieben, also als ein Nachkomme des Königs David, und die Prophezeiung aus dem Sacharjabuch wird unterstrichen: Der König kommt auf einem Esel in die Heilige Stadt Jerusalem geritten (Sach 9,9).
Die Menschen, die Jesus empfangen, breiten (Palm-)Zweige und Kleider auf dem Weg vor dem Herrn aus und rufen Hosianna. Beides deutet auf die Königswürde Jesu hin: Das Ausbreiten der Kleider ist Zeichen der Ehrerbietung; so wird im Alten Testament der König nach seiner Salbung empfangen (2Kön 9,13). Damit wird ausgedrückt, dass Jesus Christus – der Gesalbte - der vom Volk erhoffte Messias ist. Die Frage: „Wer ist der?“, beantworten die Bewohner Jerusalems durch ihre symbolische Handlung, mit der sie den Messias Jesus begrüßen.
Auch der Jubelruf Hosianna zeugt davon: Im Alten Testament oft noch als Hilferuf verstanden („Herr, hilf doch!“), hat es an dieser Stelle die Bedeutung eines Jubelrufes: Der kommende König aus dem Haus Davids wird mit Freude und Ehrfurcht begrüßt. Dennoch hatte das Volk wohl nicht umfänglich erkannt, dass Jesus der wahre Messias und König war, denn es spricht Jesus als „Prophet aus Nazareth“ an – was sicherlich richtig, aber nicht vollständig ist.
Die Frage: Wer ist der? ist also klar mit: „Jesus Christus, der Messias und König“ zu beantworten, der kommt, um sein Volk zu erlösen – nicht von der Römerherrschaft, sondern von Sünde und Tod.
Der Gottesdienst zu Palmsonntag findet am 13. April 2025 statt und hat das Bibelwort aus Matthäus 21,10.11 als Grundlage, die Bibellesung stammt aus Matthäus 21,1–11.
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