Wer sind die Täufer?
Die freikirchliche Bewegung der Täufer entstand in Zürich im Umkreis des Schweizer Reformators Ulrich Zwingli. Manchem seiner Weggenossen war die Reform der Kirche nach urchristlichem Vorbild nicht weitgehend genug: Müsste man nicht auch die Kindertaufe ablehnen, da nicht biblisch begründet? Müsste man nicht stattdessen Erwachsene taufen, die ihren Glauben bekennen können? Da sowohl die politische als auch die kirchliche Obrigkeit die Täuferbewegung ablehnten, gingen die Täufer in die Absonderung, trafen sich heimlich. Mitglieder der Täufergemeinden wurden schwer verfolgt, oft endeten das Leben von Täufern im Martyrium. So auch bei Michael Sattler.
St. Peter als Ausgangspunkt
Auf den Spuren Michael Sattlers ging die Kommission A bereits am Vortag der Exkursion. Man tagte im Tagungshaus des Klosters St. Peter im Schwarzwald, einige Kilometer von Freiburg entfernt. Hier lebte der um 1490 in Staufen im Breisgau geborene Michael Sattler als Benediktinermönch und Prior der Abtei. Durch die Schriften von Martin Luther und Ulrich Zwingli beeinflusst, verließ Sattler allerdings 1523 das Kloster und schloss sich 1525 in Zürich der Täuferbewegung an.
Schleitheimer Artikel
In Schleitheim bei Schaffhausen traf sich am 24. Februar 1527 unter Leitung Sattlers eine „Brüderliche Vereinigung“ von Täufern. Man formulierte eine täuferische Programmschrift, die „Schleitheimer Artikel“ oder das „Schleitheimer Bekenntnis“. Als wichtigste Grundsätze der Täufer wurden unter anderem die Gläubigentaufe, Ablehnung von Eiden und Ablehnung von Kriegsdienst festgehalten. Als Sattler mit seiner Frau im Frühjahr 1527 nach Horb kam, wo es bereits Täufer gab, wurde er verhaftet und in Rottenburg am Neckar hingerichtet, seine Frau kurz darauf im Neckar ertränkt. Die Täuferbewegung findet sich heute in freikirchlichen Gemeinschaften wie den Mennoniten, den Hutterern oder den Baptisten. Für viele von ihnen gelten die Schleitheimer Artikel bis heute als Grundlage der Lehre.
Täuferzimmer in Schleitheim
Inmitten von Schleitheim steht das Alte Schulhaus, in dem das Dorfmuseum „Museum Schleitheimertal“ untergebracht ist. Hier befindet sich auch das Täuferzimmer. Unter den Dokumenten, die durch fachkundige Führung der Kommission A der ACK Baden-Württemberg vorgestellt wurden, ist ein früher Druck einer Täuferbibel um 1550, in der im Anhang die Schleitheimer Artikel abgedruckt sind - ein Dokument aus der Frühzeit der Täuferbewegung, das die schwierige Situation der Täufer in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eindrucksvoll beleuchtet.
Die Theologen der Kommission A der ACK in Baden-Württemberg bemühen sich um das theologische Gespräch der Mitgliedskirchen untereinander. Die Neuapostolische Kirche Süddeutschland ist seit 2022 durch Lothar Selmes, Fachbereichsleiter Theologie in der Akademie, vertreten.
Fotos: Lothar Selmes